kirche

Das älteste Speyerer
und Pfälzer Gesangbuch
aus dem Jahre 1599

Gesangbuch 1599Alte Catholische Geistliche Kirchengeseng auff die fürnemste Feste : auch in Processionen, Creutzgängen und Kirchfärten, bey der H. Meß, Predig, in Heusern, und auff dem Feld zu - gebrauchen, sehr nützlich ; sampt einem Catechismo / auß Bevelch deß Hochwürdigen Fürsten und Herrn, Herrn Eberharten Bischoven zur Speir ... in diese ordnung gestelt. - Nachdr. d. Erstausg. Cölln : Quentell, 1599
Speyer : Bibl. d. Priesterseminars, ©2003. - [6], 245 Bl. ; 13 cm

Es entwickelte sich zu einem ausgesprochenen Bestseller: Das Speyerer Gesangbuch, nach seinem Druckort häufig auch das ‚Kölner Gesangbuch‘ genannt, erschien erstmalig 1599 unter dem Titel „Alte Catholische Geistliche Kirchengeseng auff die fürnemste Feste“. Zunächst in der damals üblichen Auflage von etwa 500 Exemplaren gedruckt, folgte bereits ein Jahr später ein Nachdruck.

Innerhalb von 32 Jahren entstanden so 12 Auflagen, davon enthielten vier eine Erweiterung durch einen Anhang nach dem Stammteil. Der Stammteil selbst blieb praktisch unverändert. Erst die 12. Auflage im Jahre 1631 führte zu einer Neukonzeption, indem der Anhang nun dem Stammteil eingegliedert wurde. Der Dreißigjährige Krieg unterbrach diese Gesangbuchtradition.

Darüber hinaus wurde aber auch die Konzeption des Speyerer Gesangbuches für zahlreiche andere Gesangbücher prägend, etwa das Beuttnersche Gesangbuch von 1602, das Mainzer Cantuale von 1605, das Andernacher Gesangbuch von 1608, das Konstanzer Gesaangbuch von 1610 und das Paderborner Gesangbuch, das 1609 mit nahezu identischem Titel erschien. Nicht nur der Zahl der Auflagen nach, auch wegen seines inhaltlichen Einflusses auf diese war das Speyerer Gesangbuch damit das erfolgreichste und nachhaltigste während der Zeit der katholischen Reform.

Seine besondere Bekanntheit verdankt es dem Lied “Es ist ein Ros‘ entsprungen”, dessen Melodie hier erstmalig veröffentlicht wurde. Es steht am Ende einer Liste Speyerer Reformpublikationen, deren erste die deutsche Übersetzung des ”Kurtzen Catholischen Catechismus” von Georg Eder durch den damaligen Dompfarrer und späteren Weihbischof Heinrich Fabricius im Jahre 1570 darstellt.

Auch das Gesangbuch ist geprägt durch seine katechetische Anlage, die auf die Speyerer Jesuiten, inbesondere deren Rektor Wilhelm Wolff-Metternich zur Gracht, zurückzuführen ist. Als erstes Gesangbuch überhaupt enthält es Katechismusgesänge als Kurzfassungen des Canisianischen Katechismus‘ in Prosagestalt. Mit seinen 159 Liedern auf 138 Melodien ist es nahezu das umfangreichste Gesangbuch seiner Zeit.