Die Frohbotschaft der Apokalypse

Die Frohbotschaft der Apokalypse

Ausstellung mittelalterlicher spanischer Buchmalerei
Domkrypta Speyer,
1. Juli bis 12. August 2018

Die Ausstellung konzentriert sich auf Handschriften, die im Einflußbereich maurischer Kultur entstanden. Sie enthalten die Geheime Offenbarung mit einem Kommentar des Benediktiners Beatus von Liebana, nach welchem sie benannt sind.
Die westlichste der Mittelmeer-Halbinseln stand damals weiträumig unter maurischer Fremdherrschaft islamischen Glaubens. Die spanischen Apokalypsen bezeugen eine einzigartige, spezifisch iberische Überlieferung christlichen Glaubens. Alle übrigen Länder, die den christlichen Glauben angenommen hatten, verstehen die vier Evangelien als Grundtexte ihres Religionsbekenntnisses, die sie in zahlreichen reichgeschmückten Evangeliaren überliefern.
Möglicherweise hielten die iberischen Christen die schwer zu erschließende apokalyptische Bildersprache für einen besseren Schutz der Geheimnisse ihres Glaubens als die scheinbar leichter verständliche Botschaft der vier Evangelien. Es ist als hohe intellektuelle Leistung anzusehen, daß die frühen Christen Iberiens verstanden, die Apokalypse als Frohbotschaft des gleichen Evangeliums aufzudecken. Als solche sind die Johannes-Apokalypsen Spaniens zu verstehen, ein Evangelium, denn sie ist Frohbotschaft Gottes an die Menschen.

Die frühesten Apokalypsen Spaniens werden auf das Ende des 9. Jahrhunderts datiert, gingen bis auf Fragmente jedoch verloren, das älteste Fragment aus einer Kloster Silos zugeordneten Handschrift gehört zu den ältesten, es ist mit nur einem illustrierten Blatt erhalten.

Die Ausstellung präsentiert mehr als 15 verschiedene Handschriften in Faksimiles, das heißt fast alle der überlieferten Werke dieses Buchtyps. Einige davon sind doppelt vorhanden und können deshalb mit verschiedenen Motiven aufgeschlagen werden. Die Apokalypse von Gerona, die zu den besterhaltenen und künstlerisch hochrangigen zählt, kann sogar in etwa 15 verschiedenen Miniaturseiten ausgelegt werden.

Plakatmotiv SaintSever freigestellt farbkorrektur retuschiert

Das Plakatmotiv demonstriert: einen himmelblau „getarnten“ Aggressor im Untergrund, die „Bestie“ „aus dem Abgrund“, keine Unbekannte, damit beschäftigt, alles erfindliche Verderben für den Menschen zu organisieren. Sie liegt unter dem „Tempel“, der ein Bild des Himmel Gottes ist - und will dessen Zusammenbruch: ein Beispiel abstrakter Kunst des Mittelalters.

Exponate und Präsentation: Bibliothek St. German Speyer

Öffnungszeiten der Domkrypta: werktags 9 - 19 Uhr, sonn- und feiertags 11.30 - 17.30 Uhr

Zur Namenswahl "Bibliothek St. German"

Der bekannte italienische Historiker und Schriftsteller Umberto Eco hat in seinem Vortrag "Die Bibliothek" ein Negativmodell einer Bibliothek gezeichnet, das Modell einer schlechten Bibliothek.

In ihr müsste(n) unter anderem

  • die Signaturen so beschaffen sein, dass man sie nicht korrekt abschreiben kann,
  • die Zeit zwischen Bestellung und Aushändigung eines Buches sehr lang sein,
  • die Fernleihe Monate dauern,
  • der Bibliothekar den Leser als Feind, als Nichtstuer und potentiellen Dieb betrachten,
  • die Auskunft unerreichbar und das Ausleihverfahren abschreckend sein,
  • die Öffnungszeiten so sein, dass sie mit den Arbeitszeiten der Leser zusammenfallen.
  • Es dürfe möglichst keinen Fotokopierer geben,
  • immer nur ein Buch auf einmal entliehen werden,
  • und ideal sei es schließlich, wenn der Benutzer die Bibliothek gar nicht erst betreten könne.

So gesehen, glauben wir, schon vieles besser und richtig gemacht zu haben:

  • Wir haben Sofortausleihe,
  • eine Ausleihe ohne Ausweise und Gebühren,
  • einen Scan- und Digitalisierungsservice;
  • eine Fernleihbestellung wird in der Regel in Wochenfrist erledigt,
  • unsere Bibliothek ist über Mittag und an Samstagen geöffnet,
  • und wir freuen uns über jeden Nutzer unserer Bibliothek.

Manches wäre noch zu verbessern.
Etwa der Name.
Um noch deutlicher zu machen, dass unsere Bibliothek wirklich allen Interessierten offen steht, haben wir sie umbenannt.
Aus der "Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars St. German" ist seit dem 1. September 2016 die "Bibliothek St. German" geworden.
Alles andere: Trägerschaft, Öffnungszeiten und Service, bleibt unverändert.

Es sei denn, Sie sagen uns, was wir noch besser machen können!

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